Peter Roth

BETWEEN SHORES – Ein Projekt zum Thema Reisen
und unterwegs sein, Fotografie, 2007

Entstanden während einer Reise über das gelbe Meer zwischen China und Süd-Korea, 2005. Karte s/w, 70 × 100 cm, montiert auf Leuchttisch C-Print, 70 × 100 cm, auf Alu-Dibond

Peter_roth_betweenshores_cprint01

BETWEEN SHORES © Peter Roth

Seit Jahrhunderten durchstreift der Reisende als Entdecker die Territorien der Welt. Karten zu erstellen ist eine Form der Ermächtigung, der Besetzung eines Territoriums, der präzisen Beschreibung seines Wesens und seiner Ausdehnung und nicht zuletzt ein Instrument zur eigenen Positionsbestimmung. In »glatten Räumen« (vgl. Deleuze/Guattari in »Tausend Plateaus«) stoßen diese Instrumentarien jedoch an ihre Grenzen. Das Meer, der Raum zwischen den Küstenlinien, entzieht sich jeder genauen kartographischen Erfassung – ein von Kartographen jeher mit Respekt betrachteter »weißer Fleck«. Eine Orientierung an Landmarken oder topografischen Fixpunkten ist unmöglich, und der Reisende ist zur Navigation auf abstrakte Zahlenwerte angewiesen – Längen und Breitengrade – die Karte als wissenschaftliche Abstraktion.
Trotz technischer Errungenschaften wie GPS oder der ozeanographischen Vermessung der Meere umfängt den Reisenden, heute wie seit Jahrhunderten, ein seltsames Gefühl der Leere, der Grenzenlosigkeit und der Einsamkeit. Diese Ortlosigkeit und Unschärfe im räumlichen Sinne führen den Reisenden zu sich selbst zurück – sie ermöglichen ein »Bei-sich-bleiben«, ein Reisen an Ort und Stelle. Jegliches Gefühl für Zeit und den zurückgelegten Weg geht verloren. Der umgebende Raum reduziert sich auf wenige Elemente, Farben und Formen – und auch wenn er doch nicht greifbar erscheint und sich jeder genauen Erfassung verwehrt, so füllt doch jeder Reisende die scheinbare Leere mit persönlichen Bildern und poetischen Momenten.